Sword & Sorcery

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Sword & Sorcery

Beitrag von Remy am 15.01.17 21:56

Ich möchte hier ein etwas schwieriges, sensibles, aber essenzielles Thema ansprechen, das noch zu einiger Uneinigkeit führt: Sword & Sorcery.

Sword & Sorcery ist ein Sub-Genre von Fantasy, manchmal auch mit "Low Fantasy" oder "Dark Fantasy" gleichgestellt und stellt das Fundament dar, auf das Blade aufgebaut ist. So wie Dungeons & Dragons ein High Fantasy System ist und Shadow Rund Sci-Fi (?), ist Blade of the Iron Throne S&S.

Wenn man sich typische S&S Protagonisten ansieht (Kane, Conan, Kardios, Fafhrd, etc.), stellt sich bald heraus, dass diese Charaktere nicht gerade super vorbildlich nach heutigen Standards sind. Sie sind rau, meist egoistisch, profitorientiert und überwiegend Einzelgänger.
Sie sind, wie das Black Gate Magazin in einem sehr umfassenden Essay darstellt, "frei von allen Fesseln". Sie sind die Meister ihres Schicksals und unabhängig von Moral und Sitten.

Heißt das, es gibt keine Grenzen?
Nein!

Wie man in "Bloodstone" von Karl Edward Wagner so wunderschön sieht, obwohl die Protagonisten Mistkerle sind, gibt es eine Grenze, die nicht überschritten werden darf, wenn sie für das Publikum noch reizend sein sollen.
Wird diese Grenze überschritten, geht man von "schlecht" zu "niederträchtig" über und das hat auch in einer düsteren Welt von S&S nichts zu suchen.

In Bloodstone wird die Geschichte erzählt, wie Kane den Blutsteinring an sich nimmt und dessen übernatürliche Fähigkeiten nutzt um einen Krieg zwischen zwei Nationen zu orchestrieren um ein Alien (den Blutstein) ins Leben rufen zu können.
Das Buch kann, grob, in 3 Teile unterteilt werden:
1. Kanes Quest für den Blutsteinring
2. Kanes Allianz mit dem Blutstein
3. Kanes Kampf gegen den Blutstein

Was unbedingt hervorzuheben ist, ist die Tatsache, dass der Fokus im zweiten Teil von Kane wegdriftet und der Protagonist dieses Intermezzos Teres ist und nicht länger Kane.
Warum ist das so?
Weil Kane durch seine Allianz mit dem Blutstein (eine außerirdische Lebensform, die allen organischen Lebensformen absolut feindlich gesinnt ist und die gesamte Menschheit unterwerfen will) eine Grenze überschritten hat, die ihn von "schlecht" zu "niederträchtig" klassifiziert und das ist nicht mehr akzeptabel.

Ein anderes Beispiel für solche Grenzen (Karl Wagners Bloodstone ist halt leider nicht soooo bekannt) wäre z. B. Django Unchained.
Django ist ein richtig mieser Sack, der keine Gefangenen macht um seine Liebe zurückzugewinnen. Weitgehend ist Django aber als Spielercharakter in Blade legitim.
Als Django jedoch zugelassen hat dass ein Sklave von Hunden zerfetzt wird, hat Django die Grenze überschritten.
Auf der anderen Seite ist beispielsweise Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) vollkommen inakzeptabel. Sein Verhalten ist nicht einfach nur "schlecht" sondern zweifelsfrei "niederträchtig" und als solches nicht willkommen als Spielercharakter in Blade.

Wie erkennt man aber dass eine Grenze überschritten wird?
Das ist sehr fließend und subjektiv. Es gibt keine "harte Linie", wie bei Ländern, wo man sofort weiß, wann man von Österreich nach Ungarn wechselt.

Ein Beispiel von jemand anders, der Blade leitet:
Seine Gruppe aus 4 Spielern war auf einer Mission die Frau eines Klanführers zu retten. Als die Spielercharaktere das Lager erreichten, in dem die Frau gefangen gehalten wurde, konnten sie an der Frau keinerlei Misshandlungen feststellen.
Dennoch, anstatt sich davon zu stehlen, wurde beschlossen, alle Wachen im Schlaf zu ermorden, da Herumschleichen zu riskant schien und wenn alle Feinde tot sind, kann sie niemand verfolgen.
Am Ende haben sie 13 Menschen ermordet und sich davon gemacht.

Haben die Spieler eine Grenze überschritten?
Nun, das lässt sich so einfach nicht beurteilen.
Rein von den Fakten her: Eher nein. Die Entführer haben mehr oder weniger darum gebettelt. Vielleicht nicht so krass, aber unterm Strich passt das schon.

ABER! Es wurde de facto sehr wohl eine Grenze überschritten.
Warum? Weil der Spielleiter und zumindest 1 weiterer Spieler nicht glücklich mit der Entscheidung waren und sich auch kein Erfolgserlebnis eingestellt hat, sondern nur ein "schaler Sieg".

Die Grenze ist also, wie eingangs erwähnt, fließend und subjektiv.
Blade ist anders als viele andere Systeme, aber nach wie vor eine Gruppenerfahrung und wenn nicht die gesamte Gruppe Freude am Spiel hat, ist das Projekt gescheitert.
Darum ist eine offene Kommunikation unter den Spielern (und dem Spielleiter) auch umso wichtiger, damit eben klar gestellt wird, wann für wen eine Grenze überschritten wurde.
Die Autoren haben Blade auch mit dem Hintergedanken verfasst, dass es von reifen Menschen gespielt wird, für die so etwas kein Thema ist. Daher ist Blade etwa eher schlecht für Kinder oder Jugendliche geeignet, da die häufig nicht so glücklich sind, wenn man nicht ihre Meinung teilt Surprised

Eine mögliche Konsequenz aus so einem Erlebnis kann durchaus auch als Leidenschaft genutzt werden ("Ich habe etwas Fürchterliches erlebt und werde so etwas niemals wieder zulassen" oder in der Art).

Das soll nicht bedeuten, dass Blade "absolute Harmonie" unter den Spielern anstrebt, ganz im Gegenteil. Solange beide Seiten einverstanden sind, sind Rivalitäten mehr als willkommen Smile
Sehr wohl aber verlangt Blade, dass alle Teilnehmer Rücksicht auf alle Teilnehmer nehmen und nicht einzelne (oder mehrere) Leute durch ihre Handlungen verärgern / unglücklich machen.

In Blade spielt man zwar sehr wohl Bastarde, aber halt auch nicht totale Scheißkerle.
Das ist bestimmt nicht so einfach, aber so ist Blade / Sword & Sorcery eben.

Bei der Gelegenheit möchte ich auch noch ein davon unabhängiges Thema ansprechen, um nicht noch einen Thread zu öffnen:
Fragen sind mir immer willkommen, weil Fragen zu Erkennen geben, dass ihr interessiert seid.
Allerdings möchte ich auch darum bitten Fragen, die nichts mit dem aktuellen Spiel zu tun haben vor oder nach einer Runde zu stellen.
Es freut mich, wenn ihr euch für das System interessiert und ihr über potentielle zukünftige Charaktere nachdenkt, aber bitte stellt keine Fragen zu diesen Charakteren mitten in einer aktiven Spielrunde (außer euer Charakter ist gerade gestorben, das ist natürlich eine Ausnahmesituation).

Dadurch verlangsamt sich nur unnötig der Spielverlauf, es wird unübersichtlich, Gedanken werden vielleicht vergessen, coole Aktionen werden unterbrochen und es trägt überhaupt nicht zum Fortschritt im Abenteuer bei.

Für solche Anliegen ist an sich das Forum da, bzw. schreibt mir dann halt ein E-Mail, wenn es nicht öffentlich sein soll.

Ich bitte in diesen beiden Angelegenheiten um euer Verständnis und hoffe, dass wir auch zukünftig aufregende und für alle beteiligten Leute unterhaltsame Abenteuer mit Blade of the Iron Throne gemeinsam lebendig machen können Smile

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Re: Sword & Sorcery

Beitrag von Remy am 16.01.17 19:15

Noch eine Anmerkung...
Protagonisten in S&S sind deutlich über dem Durchschnitt ihrer jeweiligen Welt, aber sie sind nicht makellos. Im Gegenteil, ihre Makel sind genauso essentiell für ihren Charakter, wie ihre Fähigkeiten.

Das wird dadurch gespiegelt, dass der Spieler bei der Charaktererstellung auch zwei "schlechte" Prioritäten vergeben muss, von denen v. a. die F Priorität teilweise tatsächlich fatale Folgen haben kann (mit der Betonung auf kann).

In eurem Fall haben sich alle für F bei den Eigenschaften entschieden und dabei, mit Ausnahme von Robert, auch relativ "billige" Nachteile gewählt (was euer gutes Recht ist und das soll jetzt nicht als negative Kritik verstanden werden, obwohl ich es durchaus begrüßt hätte, wenn nicht jeder F für Eigenschaften genommen hätte...).

Mit diesen Nachteilen müsst ihr fertig werden. Die sind ebenso ein wesentlicher Bestandteil eurer Charaktere wie eure A bis C Prioritäten.

Also fragt bitte niemals wieder nach irgendwelchen Möglichkeiten diese Eigenschaften zu tilgen! (z. B. eine Brille für Kurzsichtige)

Wenn ihr negative Eigenschaften los werden wollt, kauft sie weg (in-game kann das dann z. B. eine Brille sein).
Das kostet in euren Fällen, wenn ich mich nicht irre, 15 Punkte, da niemand von euch eine Kultur von E oder F hat (sonst wärens 20).

Dafür sind Leidenschaftspunkte schließlich da Wink (unter anderem)


Ansonsten lebt damit. Nein, lebt nicht nur damit, spielt eure Mängel aus!
Ihr habt euch diese Nachteile bewusst und absichtlich ausgesucht. Nutzt sie!
Vergesst nicht, dass Blade ein Rollenspiel ist. Zudem gibt es immerhin eine Belohnung für (außergewöhnlich) gutes Rollenspielen (Dramapunkte).
Gutes Rollenspielen heißt nicht, dass einem immer alles gelingt.
Häufig sind Fehler sehr viel interessanter zu beobachten.

Ich persönlich habe jedenfalls noch keine (gute) Geschichte gelesen oder gesehen, in der dem Hauptcharakter immer alles gelingt und die Fehlschläge haben die Geschichten häufig erst richtig interessant gemacht Razz

Was wären James Bond oder Ltd. Templeton Faceman Peck, wenn sie nicht immer mal wieder auf schöne Frauen hereinfallen würden, oder wenn Anakin Skywalker nicht diese extremen Verlustängste gehabt hätte oder Remy LeBeau nicht seinem Trieb zu stehlen nachgäbe oder Vegeta sich nicht selbst überschätzen (bzw. seine Gegner unterschätzen) würde oder wenn Orry Maine kein stolzer, patriotischer Südstaatler wäre und so weiter.
Das macht die Geschichten doch erst richtig dramatisch / interessant / unterhaltsam.

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